Waldneuordnung
Vom Parzellenwald zum Zukunftswald
(27. Juli 2026) Schönau an der Brend, Landkreis Rhön-Grabfeld – Mit der Flurneuordnung „Schönau an der Brend 3“ hat das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Unterfranken eines der größten Waldneuordnungsprojekte der Region erfolgreich umgesetzt. Der Ausbau der Wege sowie die umfangreichen Landschaftsmaßnahmen sind abgeschlossen. Seit dem Eintritt des neuen Rechtszustands im November 2025 profitieren rund 130 Waldbesitzer dauerhaft von besser erschlossenen und deutlich größeren Waldflächen. Gleichzeitig gewinnt die Natur: Die Renaturierung des Lembachs stärkt den Wasserrückhalt, die Artenvielfalt und die Klimaanpassung im Biosphärenreservat Rhön.
Schönau an der Brend im Landkreis Rhön-Grabfeld liegt in einer einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft. Über Jahrzehnte erschwerten jedoch stark zersplitterte Besitzverhältnisse eine wirtschaftliche und nachhaltige Waldbewirtschaftung. Ein Waldbesitzer bewirtschaftete im Durchschnitt lediglich einen halben Hektar, verteilt auf vier bis fünf häufig sehr kleine Grundstücke. Manche Parzellen waren nur wenige Quadratmeter groß und im Gelände kaum noch auffindbar.
Die Flurneuordnung löste dieses Problem grundlegend. Aus 989 Waldgrundstücken entstanden 326 sinnvoll zugeschnittene Flurstücke. Die Zahl der Besitzstände verringerte sich von 180 auf 130. Gleichzeitig errichtete die Teilnehmergemeinschaft ein modernes Wegenetz mit einer Gesamtlänge von 23,3 Kilometern. Asphalt-, Schotter- und Grünwege erschließen den Wald heute deutlich besser. Das erleichtert die Bewirtschaftung, erhöht die Arbeitssicherheit und schafft die Grundlage für einen klimaresilienten Waldumbau.
Schwammwald kann entstehen
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Natur- und Klimaschutz. Auf rund einem Kilometer erhielt der Lembach sein natürliches Bachbett zurück. Flache Ufer, Feuchtbereiche, Tümpel und Verlandungszonen speichern künftig mehr Wasser in der Landschaft. So entsteht ein sogenannter Schwammwald, der Trockenzeiten besser übersteht, Starkregen abpuffert und den Grundwasserhaushalt stabilisiert. Gleichzeitig entstanden wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Mit der Übergabe des Bewirtschaftungs- und Sicherungskonzepts an die Gemeinde übernimmt diese künftig die Pflege und Unterhaltung der neu geschaffenen Anlagen. Das Konzept beschreibt die Entwicklungsziele und Pflegeempfehlungen für jede einzelne Maßnahme und stellt sicher, dass die ökologischen Verbesserungen langfristig erhalten bleiben. Das Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken bedankt sich bei allen beteiligten Fachbehörden, Planern und Projektpartnern für die enge und konstruktive Zusammenarbeit während der gesamten Projektlaufzeit.
Insgesamt investierten der Freistaat Bayern, die Teilnehmergemeinschaft und weitere Beteiligte rund 1,92 Millionen Euro in das Projekt. Davon stammen rund 1,36 Millionen Euro aus Fördermitteln.
„Mit der Flurneuordnung verbinden wir Eigentum, Naturschutz und regionale Entwicklung. In Schönau ist ein Projekt entstanden, das wirtschaftliche Nutzung und ökologische Verantwortung beispielhaft zusammenführt und den Wald fit für kommende Generationen macht“, betont Amtsleiter Jürgen Eisentraut vom Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken.
Projektleiter Michael Schneider hebt hervor: „Die Neuordnung beseitigt jahrzehntealte Strukturprobleme. Größere Waldflächen und eine zeitgemäße Erschließung ermöglichen den Eigentümern eine nachhaltige Bewirtschaftung und schaffen gleichzeitig Raum für mehr Biodiversität und Wasserrückhalt.“
Das Verfahren begann im Jahr 2014 und soll mit der Schlussfeststellung im Jahr 2028 vollständig abgeschlossen werden. Bereits heute zeigt das Projekt, wie die Ländliche Entwicklung Eigentum ordnet, Natur schützt und den ländlichen Raum nachhaltig stärkt.