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FlurNatur
Vorsorgender Wasserrückhalt: Pilotmaßnahme in Oellingen abgeschlossen

Akteure bei der Vorstellung des Vorhabens im Gruppenbild.Zoombild vorhanden

Foto: Lucas Kesselhut

(29. Juni 2026) Oellingen, Landkreis Würzburg – Während sogenannte „Schwammlandschaften“ inzwischen vielerorts diskutiert werden, hat der Markt Gelchsheim frühzeitig gehandelt: Gemeinsam mit dem Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Unterfranken sowie dem Fachplanungsbüro plan2o wurde bereits 2024 die Umsetzung einer Maßnahme zum dezentralen Wasserrückhalt angestoßen.

Nun konnte das Projekt im Ortsteil Oellingen erfolgreich abgeschlossen werden. Trotz schwieriger Witterungsbedingungen und verschiedener Herausforderungen im Bauablauf gelang es allen Beteiligten, die Maßnahme mit der Pflanzung gebietsheimischer Sträucher fertigzustellen.

Die neue Anlage dient als dezentraler Kleinrückhalt. Sie nimmt bei Starkregenereignissen Wasser temporär auf, verlangsamt den Abfluss und entlastet dadurch die Ortslage. Gleichzeitig entstehen neue ökologische Strukturen, die die Biodiversität fördern.

„Die Maßnahme zeigt beispielhaft, wie vorsorgender Wasserrückhalt und ökologische Aufwertung sinnvoll miteinander kombiniert werden können“, betont Jürgen Eisentraut, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung Unterfranken.

Multifunktionale Nutzung statt klassischem Hochwasserschutz

Wichtig ist die Einordnung der Maßnahme: Es handelt sich nicht um eine klassische Hochwasserschutzanlage, sondern um einen dezentralen Kleinrückhalt mit multifunktionaler Nutzung. Neben der Rückhaltung und Versickerung von Wasser trägt die Anlage dazu bei, Abflussspitzen zu dämpfen, die Biodiversität zu stärken und die Ortschaft besser vor den Folgen von Starkregen zu schützen.

Weitere infrastrukturelle und landwirtschaftliche Maßnahmen im Wassereinzugsgebiet bleiben dennoch erforderlich, um die Situation langfristig weiter zu verbessern.

Der bestehende Entwässerungsgraben im betroffenen Bereich konnte das aus den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen zufließende Wasser bislang nicht ausreichend ableiten. Das neu geschaffene Erdbecken wirkt künftig wie ein vorsorgender Wasserspeicher: Niederschlagswasser wird zeitweise zurückgehalten und kontrolliert an die vorhandenen Entwässerungssysteme abgegeben.

Die Maßnahme besitzt Pilotcharakter und kann als Vorbild für weitere Gemeinden und Landschaftsräume dienen. Ziel ist es, dezentrale Rückhaltemaßnahmen künftig frühzeitig mitzudenken – insbesondere dort, wo Starkregenereignisse zunehmend zur Belastung werden.

„Solche Projekte funktionieren nur durch das große Engagement der örtlichen Akteure“, so Eisentraut. „Das Amt für Ländliche Entwicklung unterstützt dieses Engagement durch fachliche Beratung, Netzwerkarbeit und finanzielle Förderung.“

Hintergrund

Die Maßnahme ist Teil des Programms FlurNatur der Ländlichen Entwicklung in Bayern. Ziel des Programms ist es, natürliche Lebensräume zu stärken und Gemeinden bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels sowie zunehmender Starkregenereignisse zu unterstützen.

Für die Umsetzung wurden insgesamt rund 130.000 Euro investiert. Knapp 70.000 Euro davon stammen aus Fördermitteln.

Während die Wasserwirtschaftsverwaltung im Freistaat Bayern für den technischen Hochwasserschutz – beispielsweise durch Dämme und Flutpolder entlang von Gewässern – zuständig ist, übernimmt die Bayerische Verwaltung für Ländliche Entwicklung eine zentrale Rolle beim dezentralen Wasserrückhalt. In den vergangenen elf Jahren hat das ALE Unterfranken Regenrückhaltebecken mit einem Gesamtvolumen von mehr als 13.400 Kubikmetern initiiert und gefördert.

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